Dieses Glaubensbekenntnis wurde auf der Grundlage des ausführlicheren Baptistischen Glaubensbekenntnisses von 1689 verfasst (herausgegeben 2016 von Didasko z.s. in Kroměříž). Es ist ein kürzeres Bekenntnis, doch wir haben uns bemüht, nichts Wesentliches auszulassen. Wir haben jedoch die Artikel neu geordnet und verwandte und zusammenhängende Abschnitte zusammengeführt. An einigen Stellen waren auch Ergänzungen nötig (zum Beispiel zur Ehe), denn heute gibt es Gegebenheiten, die sich unsere Vorfahren nicht einmal vorstellen konnten, zu erwähnen.
Der dreieine Gott
Wir glauben an den einen1) lebendigen und wahren Gott, von dem die ganze Schöpfung2) so gewaltig Zeugnis ablegt – in der Unermesslichkeit des Universums und in den unsagbar kleinen Teilen der Materie und des Lebens, in weiser Ordnung und wunderbarer Einheit inmitten unzähliger Vielfalt und Schönheit. Und der Schöpfer übersteigt stets das, was er geschaffen hat. Wir glauben daher an einen Gott, der für den Menschen unerkennbar und unsichtbar3) ist, der allgegenwärtig4), allmächtig5)6), ewig7), unendlich8), unveränderlich9), allwissend10) und absolut souverän11) ist. Deshalb kann der Mensch aus der Schöpfung nur einen Bruchteil dessen erkennen, was Gott ist. Er musste sich uns durch die Schrift offenbaren, und nur so konnten wir auch seine Heiligkeit12), Reinheit13), Vollkommenheit14), Gerechtigkeit15) und seinen Hass auf die Sünde und die Sünder16)17) erkennen, aber auch seine unendliche Barmherzigkeit18) und Liebe.19)
In dem einen Gott existieren drei göttliche und unendliche Personen1) von ewigem Wesen und voller göttlicher Wesenheit – der Vater, das Wort (oder der Sohn) und der Heilige Geist2)3) – und jede ist ganz und gar Gott. Doch jede Person ist auch in Handeln und Macht unterschieden, während ihre Wesenheit eine und ungeteilt bleibt4)5)6). Und jede hat eine andere Rolle7)8) bei der Rettung der Menschheit9)10). Diese Erkenntnis Gottes offenbart uns allein das Wort Gottes in der Bibel.
Die Schöpfung
Das Universum, die Erde und die gesamte Natur sind nicht das Ergebnis zufälliger physikalischer oder chemischer Prozesse und einer blinden Evolution. Wir glauben, dass Gott der Schöpfer und Erhalter aller sichtbaren und unsichtbaren Dinge ist1)2)3); und dass das Leben auf der Erde in all seiner Vielfalt4) vom Schöpfer nach seinem Willen in sechs Tagen geschaffen wurde, genau so, wie es uns der Anfang des Buches Genesis beschreibt – und dass die ganze Schöpfung sehr gut war5).
Nachdem Gott alle himmlischen Wesen und die übrigen Geschöpfe erschaffen hatte, schuf er auch den Menschen – Mann und Frau, mit einer unsterblichen Seele und der Fähigkeit, in Gemeinschaft mit Gott zu leben. Sie waren die Krone der Schöpfung, geschaffen nach dem Ebenbild Gottes1) in Erkenntnis, Gerechtigkeit und Heiligkeit. Sie hatten Gottes Gesetz in ihr Herz geschrieben2), besaßen aber einen freien Willen, der die Möglichkeit eines Sinneswandels und der Abkehr nicht ausschloss3).
Ferner, dass dem Menschen im Paradies ein einziges Verbot gegeben wurde1): Er sollte nicht von der Frucht des Baumes der Erkenntnis von Gut und Böse essen. Doch der gefallene Erzengel Satan bediente sich einer listigen Schlange, die Eva zum Ungehorsam verführte, und diese wiederum verführte Adam2). Durch diese Sünde wurden beide von ihrer ursprünglichen Gerechtigkeit und von der Gemeinschaft mit Gott abgeschnitten3). Ihr Sündenfall und der darauf folgende Tod trafen nicht nur sie, sondern auch alle ihre Nachkommen – das heißt das ganze Menschengeschlecht4). Von dem Augenblick des Falls an werden wir alle mit einer gefallenen Natur geboren5)6), die zu Ungehorsam und Bösem neigt7) und Gott gegenüber geistlich tot ist8). Wegen des Menschen geriet auch die ganze Schöpfung in einen Zustand der Verderbnis9)10).
Das Wort Gottes
Die ganze Bibel – das heißt die 39 Bücher des Alten Testaments und die 27 Bücher des Neuen Testaments (ohne die Apokryphen, die im Neuen Testament nicht ein einziges Mal zitiert werden!) – ist von Gott eingegeben1) und aufgeschriebene Rede Gottes an die Menschen2)3)4), die allein in ihren Ursprachen die zuverlässige, ausreichende, unveränderliche, irrtumslose und letzte Norm für alle rettende Erkenntnis, allen Glauben und allen Gehorsam ist, der zu Christus führt5). Alle Zusätze, Abweichungen oder unbiblischen Bräuche rauben der Schrift stets ihre volle Wahrheit und Autorität.
Die Autorität der Schrift stammt von Gott, der die Wahrheit ist1); auch sein Wort ist in jeder Hinsicht Wahrheit, unabhängig von den Meinungen und Lehren von Menschen oder Kirchen. Allein die Schrift offenbart uns in ihrer vollen Ganzheit und Irrtumslosigkeit die vollständige Offenbarung des einen Heilsweges für die Menschheit durch Christus2). Ihre Autorität wird vom Heiligen Geist in den Herzen der Kinder Gottes bestätigt3).
Allein in den heiligen Schriften der Bibel wird die Verheißung der Rettung1) im Messias – Christus – schrittweise offenbart, und die Vollbringung dieser Rettung wird im Evangelium voll gezeigt2)3)4). Dies ist die endgültige Botschaft von der möglichen Rettung5) der Sünder vor dem Gericht Gottes und der Ruf6) zur Buße und zur Umkehr zu Gott. Das Evangelium allein7) genügt zusammen mit dem Wirken des Heiligen Geistes8) vollkommen, damit Menschen von Neuem geboren, lebendig gemacht und zu einem Leben zur Ehre Gottes wiederhergestellt werden9). Dieser Kern des Evangeliums ist in jeder Übersetzung der Bibel verständlich.
Durch sein Wort offenbarte Gott auch sein sittliches Gesetz als Teil seines Bundes mit dem Volk Israel, zusammengefasst in den Zehn Geboten1)2). Doch dasselbe Gesetz war den Menschen bei ihrer Schöpfung bereits ins Herz geschrieben. Unter dem Neuen Bund3) ist die Erfüllung und Einhaltung des Gesetzes für Christen keine Bedingung des Heils mehr – der Herr Jesus hat durch sein heiliges Leben und sein Opfer alles für uns vollbracht4). Heute dienen die Zehn Gebote den Christen als Bild dessen, wie Gott ist und wie Gläubige leben sollen. Und wer in Christus ist, wird sich aus Freude und Liebe zu ihm mit voller Hingabe darum bemühen5).
Die unfehlbare Norm für die Auslegung der Schrift ist die Schrift selbst1). Wir glauben, dass jede Stelle der Schrift, vom Heiligen Geist durch andere Stellen der Schrift erhellt, nur eine richtige Auslegung hat2)3); sie kann nicht mehrere einander widersprechende „wahre“ Auslegungen haben.
Gottes Heil in Christus
Gott hat die gefallene und sündige Menschheit nicht gänzlich verworfen, obwohl kein Mensch den Maßstab der Gerechtigkeit, den ein heiliger Gott fordert, erreichen konnte oder kann1) und wir alle ewige Verdammnis verdient haben. Doch Gott hat aus seiner Liebe und Gnade von Ewigkeit her2) einen Heilsplan für viele bereitet. Schon seit der Zeit des Paradieses3) offenbarte Gott diesen Plan schrittweise durch seine Bünde mit den Menschen und durch die Prophetie. Und in der Fülle der Zeit führte er den Heilsplan durch seine zweite Person aus – in der Menschwerdung des Retters, des Herrn Jesus Christus4). Diese Gnade, die den Gläubigen aller Zeiten gegeben ist, wird uns in den Schriften des Evangeliums beschrieben. Der Herr und Schöpfer der Welt erniedrigte sich und ließ sich, obwohl er ein heiliges Leben führte, kreuzigen5), um uns aus unserer Sklaverei unter Sünde und Tod zu erlösen6). Durch dieses Opfer, vollständig und nie zu wiederholen7), tat er der Gerechtigkeit Gottes Genüge und versöhnte uns mit Gott8); und aufgrund des Opfers Jesu wurde uns seine Gerechtigkeit angerechnet9), und Gott wurde auch unser Vater. Und der Herr Jesus allein, ohne Ersatz, ist das Haupt der Gemeinde10).
Die Gläubigen empfangen das Heil durch den Glauben1), das heißt durch das vollständige Vertrauen auf die Wahrhaftigkeit des Evangeliums2) und auf die Beständigkeit und Unveränderlichkeit des Wortes Gottes. Wahrer Glaube kann nicht „vererbt“ werden, und man kann ihn auch nicht allein durch den Verstand erlangen. Der Glaube ist ein Geschenk der Gnade Gottes und völlig unverdient3).
Der Empfang des Heils ist auch an die Buße1) gebunden – das heißt an die Reue über die eigenen Sünden2), die Bitte an Gott um ihre Vergebung3) und die Umkehr4), nämlich den Entschluss, nicht mehr zu sündigen, und das Bemühen, für Christus zu leben.
Ein untrennbarer Teil des Heils ist auch der Prozess der Heiligung1). Auch ein geretteter Gläubiger lebt weiterhin in einem verdorbenen Leib, doch sündige Begierden müssen durch die Heiligung getötet werden2)3). Die Heiligung kann im Menschen nur beginnen, wenn der Heilige Geist in ihm gegenwärtig ist4) und ihm ein neues Herz und einen neuen Geist gegeben hat5). Der Heilige Geist leitet die Gläubigen, sodass die Sünde in ihrem Leben ihre Macht verliert6), die leiblichen Begierden geschwächt werden und die Heiligkeit7) und die Nachfolge des Herrn Jesus gestärkt werden.
Gott hat die Gläubigen zu guten Werken berufen1)2), aber nicht als Voraussetzung, als Mittel zur Gunst oder als Hilfe oder Ergänzung des Heils. Das Heil wird uns völlig umsonst gegeben3), aus Gottes Gnade durch Christus. Die Gläubigen tun gute Werke nicht, um gerettet zu werden, sondern weil ihnen bereits Gnade erwiesen wurde und sie ihrem Herrn gefallen4) wollen. Wer versucht, seinem Heil etwas Eigenes hinzuzufügen, fällt unter einen Fluch!5)
Damit Gottes Heil zur Vollendung gelangt, sind für unsere Bemühungen Gottes Kraft und Hilfe nötig – nicht nur am Anfang des Heils, sondern Gottes rettendes Wirken setzt sich durch das ganze Leben der Gläubigen fort, bis sie in die himmlische Herrlichkeit heimgerufen werden1). Dies geschieht durch die Fürbitte unseres Retters im Himmel2) (nicht der Heiligen) und durch das Wirken des Heiligen Geistes3), vor allem durch den Einfluss des mächtigen Wortes Gottes4) und oft auch durch das Mitwirken der Gemeinde und die Zurechtweisung durch sie5).
Gottes Vorsehung
In seiner Weisheit und Heiligkeit und nach seinem eigenen freien Entschluss hat Gott alles, was je geschieht, festgelegt, bestimmt und führt es herbei1)2). Dennoch ist er nicht der Urheber irgendeiner Sünde3); er hebt die Freiheit anderer Geschöpfe nicht auf und führt doch seinen übergeordneten Plan zum Ziel. Gott kennt alle Dinge, aber nicht nur, weil er sie vorhersieht; er bewirkt unablässig alles nach seinem vorherbestimmten Willen4). Nichts kann außerhalb der Vorsehung Gottes geschehen; selbst die Folgen von Ereignissen, der „Zufall“, Zweitursachen und Unglücksfälle unterstehen Gottes Absichten, und er gebraucht sie nach seinem Willen5). Auch der Fall eines Teils der Engel, der Fall des Menschen und die Sünde selbst sind Teil des ewigen Ratschlusses Gottes, der auf die Rettung und Bewahrung der Gläubigen durch Christus und auf die ewige Verdammnis Satans und aller, die in der Sünde verstockt bleiben, ausgerichtet ist6)7).
Gott hat auch einige Menschen schon vor der Erschaffung der Welt vorherbestimmt1)2)3) und sie nach seiner Weisheit und Gnade zum ewigen Leben durch Christus erwählt, während er andere nach ihrem eigenen Willen ohne Gott leben, Meinungen und Lehren außerhalb des Heils in Christus folgen4) oder Gott ohne den Heiligen Geist dienen lässt5). Die Erwählung wird nicht aufgrund der Herkunft, persönlicher Eigenschaften, Verdienste oder der Erziehung gegeben; sie ist die unverdiente und unbegreifliche Gnade Gottes6)7)8). Die Zahl der Geretteten steht im Voraus fest9); sie umfasst kleine Kinder10) und diejenigen, die das Evangelium nicht verstehen können.
Die Frage der Vorherbestimmung liegt gänzlich im Zuständigkeitsbereich der Vorsehung Gottes1). Wir Menschen sehen nur, was vor unseren Augen ist, und können in dieser Sache über niemanden ein endgültiges Urteil fällen – nicht einmal über uns selbst2). Die Gläubigen erfahren die Gewissheit3) des Heiligen Geistes, doch sie müssen dennoch bis ans Ende ihres Lebens in Demut und Gehorsam in der Nachfolge Christi verharren4).
Gottes wirksame Berufung und der freie Wille des Menschen
Aus seiner Gnade1), zu der von ihm bestimmten Zeit und auf seine Weise beruft Gott diejenigen2)3) wirksam, die von Ewigkeit her im Buch des Lebens geschrieben stehen4). Er spricht sie durch sein Wort an und macht sie durch dieses mit der Kraft des Heiligen Geistes lebendig5) aus der Finsternis des geistlichen Todes und führt sie mit Christus in Licht und Leben. Niemand vermag aus eigener Kraft6) aus der Finsternis der Sünde auszubrechen, und niemand kann zu Jesus Christus kommen, es sei denn, der himmlische Vater zieht ihn zu ihm7). Kein Mensch sucht von sich aus Gott8), und ohne die Gabe des Glaubens kann niemand recht an ihn glauben9). Das befreit die Christen jedoch nicht von der Pflicht, allen Menschen das Evangelium zu verkündigen10); die Schrift verpflichtet sie dazu.
Die Schrift spricht von der Bedeutung des menschlichen Willens1) und der menschlichen Anstrengung. Auch Menschen außerhalb Christi tun frei viele lobenswerte Dinge. Doch gute Taten des Menschen können den Menschen vor Gott dennoch nicht gerecht machen; die Rechtfertigung muss dem menschlichen Willen und dem menschlichen Suchen nach Gott2) (die ebenfalls notwendig sind) durch das Wirken des Heiligen Geistes im Menschen ermöglicht werden3). Abgesehen davon, den menschlichen Weg zurück ins „Paradies, zum Baum des Lebens“ und in die Gegenwart Gottes zu finden4), ist der natürliche menschliche Wille wirklich frei und unabhängig; er ist nicht bloß eine Illusion oder eine Fiktion5)6). Der menschliche Wille (vom Heiligen Geist unterstützt) ist auch für das Fortschreiten im geistlichen Leben der Gläubigen notwendig7).
Ein vollkommen befreiter menschlicher Wille kann nur im Leben der Gläubigen entstehen1), die von der Herrschaft Satans und der Macht der Sünde2), vom drohenden Gericht Gottes3), vom Fluch des Gesetzes4) und von der Furcht vor dem Tod5) befreit wurden. Und ein dem Heiligen Geist unterstelltes Gewissen wird auch zur Freiheit geführt, sodass es sich nicht an Dinge bindet, die an sich nicht gegen Gottes Gebote verstoßen, aber zum Gesetzlichkeitsdenken führen können6). Wer befreit ist, stimmt allem zu, was aus der Wahrheit hervorgeht und mit der Liebe Christi verbunden ist7). Doch auch hier liegt die Gefahr, im Namen der „christlichen Freiheit“ zu sündigen8).
Das Ausharren der Heiligen und die Gewissheit der Gnade und des Heils
Gott wird auch diejenigen, die er zu Christus gezogen2)3) und ihm gegeben hat4), bis zum Tag der Ewigkeit bewahren1). Die Gläubigen mögen durch die Stürme des Lebens und sogar durch Fälle gehen, aber sie werden Buße tun und zu Gott zurückkehren, denn er ist es, der sie aus seiner Gnade und um seiner Berufung willen5) nicht abfallen lassen wird6). Auch in dieser Sache sind Gottes Wege für uns oft unbegreiflich; er sieht mehr auf seine Berufung als auf die für uns sichtbaren Taten der Menschen7).
Diejenigen, die nur einen rein menschlichen Glauben haben, werden von ihm enttäuscht werden1)2). Doch diejenigen, die Gottes Gabe des Glaubens empfangen haben, lieben ihren Retter3) und leben in der Furcht Gottes und im Gehorsam gegenüber seinem Wort4); sie erfahren die Gewissheit des Heils, die der Heilige Geist in ihnen bestätigt5). Diese Gewissheit gründet sich nicht hauptsächlich auf menschliche Gefühle; sie ruht auf den festen Tatsachen des Heils6), die das Evangelium bezeugt7), auf den inneren Zeichen der Gaben der Gnade des Heiligen Geistes8) und auf dem Tragen seiner Frucht9). Auch ein wahrer Gläubiger erfährt diese Gewissheit nicht immer, besonders wenn er durch Fälle und Prüfungen geht; und bevor er sie erlangt, muss er oft lange darum ringen10). Weit gefährlicher ist jedoch die anmaßende menschliche Selbstgewissheit, die Gott in Ewigkeit nicht bestätigen wird11).
Die Gemeinschaft der Gemeinde und das Leben in ihr
Wir glauben an die eine Gemeinschaft der Gemeinde1) – die ganze Versammlung aller Heiligen2) – und die Braut Christi3), die ihrem Haupt Christus untergeordnet ist, ihm dient und nur zu ihm und zu Gott dem Vater im Heiligen Geist und in der Wahrheit betet. Die Gemeinde besteht nur aus den Erwählten und aus Gläubigen aller Zeiten, die dem wahren Gott und Christus treu sind: denjenigen, die im Glauben den noch kommenden verheißenen Messias erwarteten4); denjenigen, die zur Zeit seiner Menschwerdung an ihn glaubten5); und allen, die im Glauben nach ihm ausgeschaut haben und noch ausschauen, von denen einige noch am Leben sein werden, um dem kommenden Retter in den Wolken zu begegnen6).
Alle Vorherbestimmten, die an Christus geglaubt haben und glauben werden, die ein gottesfürchtiges Leben nach der Schrift führen und durch den Heiligen Geist vereint sind, bilden die Gemeinschaft des Leibes Christi1) – seine unsichtbare Gemeinde, die selbst die Pforten der Hölle nicht überwältigen werden2). Dennoch gab und gibt es in sichtbaren Kirchen und Gemeinden stets einige Glieder3), die nicht zu den erlösten Kindern Gottes gehören. Sie sind nicht Schafe, die die Stimme des Hirten hören4), sondern sind auf einem anderen Weg als durch Christus in den Schafstall der Gemeinde eingetreten5)6). Manche werden ihr ganzes Leben in der Gemeinde verbringen, andere werden durch ihre Taten innerhalb der Gemeinden erkannt und, wenn sie Buße und Veränderung verweigern, ausgeschlossen werden7); die endgültige und vollkommene Scheidung „des Weizens vom Unkraut“ und „der Schafe von den Böcken“ wird aber erst der Herr der Gemeinde selbst am Ende der Zeit vollziehen8)9). Und leider ist es eine traurige Tatsache, dass ganze Kirchen und Gemeinden, genau wie die Juden, zu einer Synagoge des Satans werden können10), außerhalb der Unterordnung unter das Evangelium der Schrift und außerhalb Christi.
Die Versammlungen der Gemeinde sollen von eingesetzten Ältesten geleitet werden, die die in der Schrift genannten Voraussetzungen erfüllen1)2) und von der Gemeinde für ihren geistlichen Dienst ausgesondert3) und anerkannt wurden. Sie sollen der Gemeinde vor allem durch Predigt und Lehre gemäß ihren Gaben dienen4). Die Aufgabe des gegenseitigen Dienstes in großer Vielfalt obliegt aber auch den übrigen Gliedern der Gemeinde5) – nicht nur untereinander, sondern auch gegenüber den Menschen in ihrer Umgebung, sowohl im praktischen Dienst als auch im Evangelium6).
Seit den Tagen der Apostel versammelten sich die Gläubigen in Ortsgemeinden unter der Leitung von Ältesten1) und bildeten territorial unabhängige Gemeinden2), die der Gemeinde in Jerusalem oder in Rom nicht hierarchisch untergeordnet waren. Die Gemeinden unterstellten sich der einheitlichen Lehre des Evangeliums und arbeiteten miteinander zusammen3), waren aber dennoch unabhängige Gemeinden, wobei jede Gemeinde alle Gaben des Heiligen Geistes besaß, die für den Dienst, die Leitung und den Nutzen der Gemeinde nötig waren4). Erst in der Zeit nach Kaiser Konstantin I. führten die Päpste die Zentralisierung der Kirche durch und gewannen Einfluss, Macht und Reichtum. Unsere Vorbilder, geistlich wie organisatorisch, sind die Gemeinden der frühen Kirche.
Seit den Tagen der Apostel1)2) versammelt sich die neutestamentliche Gemeinde Christi zu Gottesdienst, Danksagung, Verkündigung des Evangeliums und Beachtung der Ordnungen Christi, vor allem am Tag des Herrn – das heißt am ersten Tag nach dem Sabbat –, dem Tag, an dem unser Herr herrlich auferweckt wurde3)4) und an dem auch der Heilige Geist gesandt wurde (am fünfzigsten Tag nach dem Passafest5)). Die Einhaltung des Sabbats ist zudem das einzige der Zehn Gebote, das das Neue Testament nicht wiederholt und daher auch nicht verlangt. Der Sonntag ist somit kein „christlicher Sabbat“.
Ohne das Wirken des Heiligen Geistes in der Gemeinde werden Gemeinden und Kirchen mit der Zeit zu bloßen „lebendigen Museen der Tradition“1). Wir glauben jedoch, dass das vorrangige gemeinsame Ziel des Wirkens der Schrift und des Heiligen Geistes die Umwandlung des persönlichen Lebens der Gläubigen in eine immer größere Ähnlichkeit mit dem Herrn Jesus Christus ist2). Deshalb sehen wir christliche Aktivitäten, die auf „freudige Gefühle“, auf Wunder, auf Pilgerfahrten zu bekannten Predigern und auf die Sehnsucht nach „frischeren Worten von Gott“ durch die „Auslegung von Zungenrede“ und nach verschiedenen „außerbiblischen“ Offenbarungen und Büchern abzielen, mit Misstrauen – besonders wenn selbst nach diesen besonderen Äußerungen und Erlebnissen im persönlichen und familiären christlichen Leben dieser Gläubigen kein geistliches Wachstum zu sehen ist. Welcher Mittel sich Gottes Geist tatsächlich bedient, um die Gemeinde und die Gläubigen zu erbauen, wird die Zeit selbst an ihren Früchten zeigen3); und das endgültige Urteil wird allein der Herr fällen.
Taufe und Abendmahl
Christus hat geboten, dass die Gemeinde nur diese beiden Ordnungen beachten soll1)2).
Die Taufe ist nicht das Tor zum Heil1)2); sie ist ein freiwilliger Akt, der die Entscheidung des Glaubens und der Buße3) bestätigt, ein Leben ohne Gott und gegen seine Gebote zu verlassen, auch in der Taufe gehorsam dem Beispiel Jesu zu folgen und sich der Gemeinde der Gläubigen anzuschließen4). Wir taufen keine kleinen Kinder, weil sie eine solche Entscheidung noch nicht treffen können.
Die von den Aposteln und der frühen Kirche praktizierte Taufe war nicht die Taufe durch Besprengen oder Übergießen, sondern die Taufe durch Untertauchen1) (baptisma, taufen – baptizein). Die Taufe veranschaulicht das „Begräbnis“ der sündigen Natur des Getauften im „Grab des Wassers“ und sein Auferstehen mit Christus zu einem neuen Leben2). Deshalb taufen auch wir auf diese Weise.
Das Abendmahl ist einer der wesentlichsten Teile der Versammlung der Gläubigen, denn es führt sie in die Dankbarkeit und in eine engere Gemeinschaft mit ihrem Retter1). Es ist das innigste Gedenken an das Leiden unseres Retters2) und eine sichtbare Darstellung des Opfers seines Leibes und des Vergießens seines Blutes zur Reinigung unserer Sünden und als ausreichendes Lösegeld vor einem heiligen Gott3). Wir lehnen jedoch die Lehre ab, dass sich Brot und Wein während der Gedächtnisfeier (Messe) in den tatsächlichen Leib und das tatsächliche Blut des Herrn verwandeln. Die Gemeinde feiert diese Ordnung zum Gedächtnis4). Und deshalb lehnen wir auch das damit verbundene Dogma eines sich wiederholenden Opfers5) Christi in der Messe entschieden ab.
Die Ehe
Wir glauben, dass die Ehe eine Einrichtung Gottes ist und von Anfang an nur für einen Mann und eine Frau bestimmt war1) – das heißt nur für die zwei von Gott geschaffenen Geschlechter. Die Ehe wurde der Menschheit zur gegenseitigen Hilfe von Mann und Frau2), zur rechtmäßigen Vermehrung des Menschengeschlechts3) und zum Schutz vor sexueller Unreinheit4) gegeben. Der Herr Jesus erklärte die Ehe zur Verbindung eines Mannes mit einer Frau und billigte die Scheidung nicht5). Die Ehe dürfen diejenigen eingehen, die dazu rechtlich fähig sind, und sie soll nicht zwischen nahen Verwandten geschlossen werden6). Christen sollen keine Ungläubigen heiraten7), und Sex außerhalb der Ehe, ob vor oder während ihr, ist Unzucht8). Durch die Schrift verurteilt Gott nicht nur homosexuelle Praxis9), sondern auch jede andere perverse Praxis10).
Unterordnung unter (nicht nur) die weltliche Obrigkeit
Staatliche und weltliche Obrigkeiten bestehen in der Welt nach Gottes Anordnung1), und die Gläubigen sollen sich ihnen unterordnen. Wir sollen ihre Verordnungen achten und ihren Anweisungen gehorchen2), auch in einer Zeit, die sich nichts unterordnen will. Wir sollen auch für die Regierenden beten3). Die Unterordnung unter Autorität soll schon in den Familien und in der Kindererziehung beginnen (siehe Anmerkung 6 oben). Die einzige Ausnahme, die Ungehorsam erlaubt – nicht nur gegenüber der weltlichen Obrigkeit –, ist, wenn ihre Befehle dem in der Schrift offenbarten Willen Gottes unmittelbar widersprechen4)5). Aber die Gläubigen sollen sich auch der Leitung ihrer Gemeinden6)7) und einander8) unterordnen. Ebenso sollen alle unsere Worte und auch alle notwendigen bürgerlichen Versprechen oder Eide stets wahrhaftig sein – unser Ja soll stets ein Ja bedeuten und unser Nein ein Nein9). Ein Gläubiger soll die Obrigkeit achten, nicht um der Obrigkeit willen oder aus Furcht, sondern weil er sich Christus und seinem Wort unterordnet10), das dies gebietet.
Das Leben nach dem Tod und die Auferstehung der Toten
Wir glauben, dass das Leben mit dem Tod nicht endet1). Der Leib zerfällt zu Staub2), doch der Geist des Menschen verschwindet nicht3). Der Geist des Gläubigen geht in die Nähe Gottes ein (Paradies4)), wo er seine volle Verherrlichung erwartet, während der Geist des Ungläubigen in den Hades eingeht, einen Ort des qualvollen Wartens5) auf die endgültige Verdammnis in der Gehenna – dem Feuersee6). Die Bibel offenbart keine Möglichkeit einer nachträglichen „Besserung“ im Fegefeuer.
Wir glauben, dass bei der ersten Auferstehung der Toten die toten Leiber der Gläubigen erneuert, verwandelt1) und mit ihrem Geist wieder vereint werden. Die auferstandenen Leiber werden geistlich sein2) (und dem jetzigen verherrlichten Leib Christi gleichen3)). Die treuen Gläubigen, die bei der Auferstehung noch leben, werden ebenfalls an ihren Leibern verwandelt werden und gemeinsam mit Christus tausend Jahre herrschen4). Die Ungläubigen werden erst nach dem Ende des Tausendjährigen Reiches zur endgültigen Verdammnis auferweckt werden5).
Das Tausendjährige Reich
Wir glauben, dass der Herr Jesus vor dem Ende der Zeiten ein zweites Mal kommen wird, diesmal als König der Könige und Herr der Herren1)2)3). Er wird in seiner Herrlichkeit kommen und auf dieser Erde das ganze Tausendjährige Reich hindurch – tausend Jahre lang – herrschen4).
Wir glauben, dass das Tausendjährige Reich nicht bloß eine bildhafte Zeit der Herrschaft Jesu sein wird, sondern seine wirkliche Herrschaft1) innerhalb des Reiches Gottes auf Erden. Diejenigen, die an ein wörtliches Tausendjähriges Reich glauben, sind sich jedoch über den Zeitpunkt der Entrückung der Gemeinde nicht einig. Wir neigen zum Prämillennialismus (das heißt, dass der Herr Jesus die Gemeinde vor der siebenjährigen Drangsal, die dem Tausendjährigen Reich vorausgeht, entrücken wird). Die Schrift offenbart den Zeitpunkt dieser Entrückung jedoch nicht eindeutig, und diese Frage sollte daher nicht zu einem Anlass der Spaltung werden.
Das Letzte Gericht
In seiner Souveränität hat Gott einen Tag festgesetzt1), an dem er die Welt, die gefallenen Engel und die Menschheit vom großen weißen Thron aus gerecht richten wird. Dieses Gericht wird er durch seinen Sohn vollziehen, dem er es anvertraut hat2). Denn nach dem Tausendjährigen Reich wird Satan freigelassen werden und die ganze gefallene Welt noch einmal verführen3). Das Gericht wird nach der Vernichtung Satans und der Heere des Bösen bei Harmagedon stattfinden4). Erst nach diesem endgültigen Sieg Jesu wird die allgemeine Auferstehung stattfinden5), und Menschen aller Zeiten (außer den bereits auferstandenen und entrückten Gläubigen) werden vor dem weißen Thron gerichtet werden6). Alle ihre Beweggründe und Taten werden gerecht gewogen werden7), und das Urteil wird nach den im Buch des Lebens geschriebenen Namen ergehen8)9). Alle, die dort nicht geschrieben gefunden werden, werden zusammen mit Satan, dem Tod und dem Hades in die Gehenna – den Feuersee – geworfen werden. Die Begnadigten und Gesegneten aber werden freudig für immer in der Herrlichkeit Gottes und in der Gegenwart des Lammes im neuen Jerusalem leben10).
Einer der Zwecke, die die Durchführung des Letzten Gerichts allen zeigen soll, ist Gottes souveräne Macht, seinen Willen auszuführen1). Es soll diejenigen warnen, die sich unter dem Einfluss von Gottes Geist durch das Gericht warnen lassen und Buße tun2). Es soll Gottes unbegreifliche Gnade gegenüber denen zeigen, die er durch den Herrn Jesus Christus gerettet3) und denen er ein seliges ewiges Leben in seiner Gegenwart geschenkt hat. Und es soll auch seine Gerechtigkeit erweisen, indem es jede Macht des Bösen bestraft4) und alle, die sich Gottes Absichten frei und in Stolz widersetzt haben.
Für die Gläubigen ist Gottes Gericht auch eine ernste Erinnerung daran, dass Gott nicht nur gnädig1), sondern auch ein gerechter Vater2) ist, der die Sünde nicht übersieht und seine Kinder nicht ohne Zucht lässt – und dass keiner von uns Gläubigen in Wachsamkeit, Gehorsam und Liebe nachlässig werden darf, da wir nicht wissen, wann unser lieber Retter wieder auf die Erde kommen wird, um uns zu holen3).